rdg

Graduiertenkolleg: Religiöse Differenzen gestalten


Navigation und Suche der Universität Osnabrück


Hauptinhalt

Topinformationen

Forschungsprojekte

Dr. Jennifer Griggs

 

My research explores a philosophy of inter-religious dialogue, presented by the model of intellectual exchange in the medieval Islamic East; a period in which the Syriac churches lived under both Islamic and Mongol rule. My doctoral work investigated the 13th century maphrian of the Syriac Orthodox Church, Gregory Barhebraeus, and the influence of al-Ghazālī on the development of his mystical theology. As part of the Graduiertenkolleg, I explore more broadly the plurality of traditions that informed Barhebraeus’ writings across different genres, from the Aristotelian sciences to theology and mysticism. This was a plurality which reflected not only his own tradition, that of Syriac Christianity, but also the post-Avicennan tradition in the Islamic East, a tradition which may be characterised as informing a multiplicity of discourses within Islamic thought of the 13th century, from falasafa to kalām, as well as the different schools of philosophical Sufism. My research addresses key questions that I believe are central to the motivation of Barhebraeus in pursuing his intellectual engagement with the traditions of his religious ‘other’, and the problem of the incursion of Greek philosophy into the religious sciences. 

 

 

Annika Göbel
Annika Göbel
 
Strategien der (Nicht-)Verständigung
in interreligiösen Familienkonstellationen

Das Forschungsprojekt nimmt seinen Ausgangspunkt in der – entgegen der Vorbehalte aus offiziell-religionsrechtlicher Perspektive – steigenden Zahl christlich-muslimischer Partnerschaften und damit in den realen, alltäglichen Formen des menschlichen interreligiösen Zusammenlebens in Deutschland. Hierbei fehlen oftmals Vorbilder und Erfahrungen in Form bewährter Strategien des Umgangs mit einer Religionsverschiedenheit. Gleichzeitig sehen religionsverschiedene Familien sich vermehrt Vorurteilen gegenüber, die von Familienmitgliedern oder der Gesellschaft an diese herangetragen werden.

Das Projekt möchte genauer untersuchen, wie sich der Umgang mit religiösen Differenzen in christlich-muslimischen Partnerschaften und Familien gestaltet. Ziel ist es dabei zum einen, die Bedürfnisse christlich-muslimischer Familienkonstellationen aufzuzeigen und zum anderen, weiterführende, praxisorientierte Überlegungen zu religionspädagogischen und praktisch-theologischen Handlungsfeldern zu entwickeln. Zudem stellt sich die übergeordnete Frage, wie eine Hermeneutik des familialen interreligiösen Dialogs aussehen könnte und ob und inwiefern es möglich ist, das Zusammenleben und den Dialog innerhalb einer interreligiösen Familie als Vorbild des offiziellen interreligiösen Dialogs zu betrachten.

 

 
Mohamed Mansour
Poesie der Convivencia
Re-Lektüre der arabisch-andalusischen Dichtung als christlich-islamische Kontaktzone.

Die iberische Halbinsel hat für die historische Erforschung des interreligiösen Dialogs ohne jeden Zweifel eine herausragende Bedeutung. Die Epoche der andalusischen Gesellschaft von 711 bis 1492 wird von Historikern hierbei gänzlich unterschiedlich bewertet: Sie wird teils als zivilisatorische Blütezeit, teils als grausame islamische Herrschaft beschrieben. Vor diesem kontroversen Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit der Frage nach unterschiedlichen Lebensformen und Dynamiken des friedlichen Zusammenlebens der Muslime und Christen in dieser Epoche. Denn es lohnt sich, dieses Lebensmodell des andalusischen Gemeinwesens, des Zusammenlebens verschiedener Kulturen und Religionen, nochmals aus anderer Perspektive zu untersuchen.

Die andalusische Poesie stellt mit ihren vielfältigen kulturellen, religiösen und ethnischen Traditionen den idealen Experimentierraum für jene Lebensformen der Convivencia. Denn das Leben ging der Dichtung voraus und auf der Vielfalt der gesellschaftlichen Lebensbereiche gründet die Vielfältigkeit der Dichtung. Das Erfahrene wurde in ästhetischer Form gedichtet und die poetische Fiktivität hebt dabei die erfahrene Realität nicht auf, sondern erläutert sie und verankert sie im menschlichen Bewusstsein. Schwerpunkt dieser Forschungsarbeit ist daher, die andalusische islamisch-arabische Dichtung als christlich-islamische Kontaktzone, die eine komplexe soziale Dynamik in Vielfalt und Verschiedenheit durchlaufen hat, zu erforschen und den religiösen „Anderen“ durch eine interreligiöse Re-Lektüre hervorzuheben.

 

 

 

Severin Parzinger

Christlich-indigene Glaubenspraktiken in der Chiquitanía, Bolivien:
Gestaltung von Differenzen, Dynamiken der Begegnung.

Rituelle Glaubenspraktiken stehen im Zentrum der christlich-indigenen Glaubenstraditionen in den Dörfern und Städten der Chiquitanía, der Region der ehemaligen Jesuitenreduktionen von Chiquitos (1691-1767) im Tiefland Boliviens. Sie sind geprägt von reichhaltigen Symbolen, von Aufführungen sakraler Musik und Rezitationen heiliger Festpredigten in indigener Sprache („Sermones Chiquitanos“), wie etwa bei den großen Prozessionen der Karwoche und Patronatsfeste besonders deutlich wird. Diese als heilige Liturgie verstandenen Glaubenspraktiken eröffnen und gestalten vielfältige Räume der Begegnung: als Dorf- und Glaubensgemeinschaft, mit Tieren und Lebewesen der Umgebung, mit Festbesuchern, mit anwesenden Anhängern anderer religiöser oder kultureller Traditionen, mit den Vorfahren, mit Heiligen, mit Gott...

In enger Kooperation mit den Angehörigen und Verantwortlichen der Chiquitano-Gemeinschaften widmet sich das Dissertationsprojekt einer systematisch-theologischen Erschließung der christlich-indigenen Glaubenspraktiken in der Chiquitanía als Momente vielfältiger Begegnungen und Interaktionen mit je Anderen. Daran anknüpfend wird es auch danach fragen, ob und inwiefern aus den Chiquitano-Glaubenspraktiken Beiträge für die Gestaltung eines konstruktiven Konvivenz angesichts zunehmender kultureller und religiöser Pluralisierung hervorgehen.

 

 

Adam Shehata
Das Konzept der Seele im islamischen Menschenbild
Positionen ausgewählter Koranexegeten des 11. bis 13. Jahrhunderts

Die Seele stellt in der islamisch-theologischen Betrachtung des Lebens eines der wichtigsten Elemente des Menschen dar und ist für das Verständnis des Menschen von zentraler Bedeutung. Ein signifikanter Teil der theologischen Diskussion zur Wesenseinheit der Seele, ihrer Verortung im Dies- und Jenseits und weiteren damit verbundenen Fragestellungen fand in den Werken der Koranexegese des 11. bis 13. Jahrhunderts statt. Von Belang ist diese Phase der Gelehrsamkeit auch, weil sie prägend für die Diskussionen zu diesem Thema in den folgenden Jahrhunderten war.

In diesem Kontext widmet sich das Forschungsprojekt der Analyse ausgewählter Werke der Koranexegese und der darin enthaltenen Seelenkonzepte und Menschenbilder. Dabei soll auch untersucht werden, wie weit sich – neben der Lektüre antiker philosophischer Texte – muslimisch-christliche Begegnungen dieser Zeit auf die Diskussion ausgewirkt haben. Anschließend sollen die erschlossenen Konzepte auf ihre Bedeutung für die muslimische Betrachtung des Lebens in einer modernen Gesellschaft untersucht werden. Zuletzt soll es darum gehen, welche Rolle diese Vorstellungen für den Umgang mit religiös und weltanschaulich pluralen Konstellationen und für eine konstruktive Pluralismusbildung spielen.

 

 

Anne Danielle Rüdel

Das Theater als anderer Ort des interreligiösen Dialogs:
Die Thematisierung religiöser Heterogenität durch das Theater Osnabrück

In der geplanten Dissertation wird die Rolle des Theaters in Bezug auf Darstellung und Inszenierung (inter-)religiöser Inhalte erarbeitet. Das Theater Osnabrück hat in den letzten Jahren immer wieder Projekte gezeigt, die sich ganz bewusst mit solchen Fragestellungen beschäftigen. Als kulturelle Institution und säkularer Ort stößt das Theater hier eine Auseinandersetzung aus bewusst nicht-theologischer Perspektive an.  Im Zuge einer kulturwissenschaftlichen Analyse über die Schnittstellen von Theater, Religion und gesellschaftlichem Leben in Osnabrück werden einzelne Projekte des Theaters gegenwartsempirisch untersucht und analysiert. Dabei wurden insbesondere solche Projekte ausgewählt, die das Zusammenleben von Religionsgemeinschaften vor Ort zum Thema machen und den interreligiösen Dialog mit und innerhalb des Osnabrücker Publikums fördern.

 

Foto: Lisa-Marie Krone

Foto: Lisa-Marie Krone

Lisa-Marie Krone

Personalität und Gewissen
Die Frage nach dem Bösen bei Hannah Arendt

In einer Gesellschaft, in der gemeinsame Wertorientierungen abnehmen, bekommt die Auseinandersetzung mit den Fragen nach moralischem Urteilen und Handeln eine verstärkte Dringlichkeit. Die Theologie bringt dabei eine spezifische Kompetenz bezüglich des Diskurses über das moralische Vermögen des Menschen mit. Bis in die Gegenwart hinein ist die Frage nach dem Bösen zentraler Bestandteil bei der Formulierung eines christlichen Menschenbildes. Zur Diskussion steht, wie sich das Böse in der Schöpfung Gottes verstehen und erklären lässt. Viele für diesen theologischen Zusammenhang relevante Reflexionen zu der Frage nach dem Bösen finden sich bei der politischen Theoretikerin Hannah Arendt.

Die Geschöpflichkeit und Gottesbildlichkeit des Menschen sowie die daraus resultierende Befähigung zu moralischem Handeln dient in diesem Dissertationsprojekt als Verbindung der christlichen Gewissenslehre mit Arendts Anthropologie. Die gegenseitige Ergänzung und Weiterentwicklung ergibt sich aus der durch die Moraltheologie gegebenen spezifisch christlichen Sichtweise, die ein vertiefend-sinnstiftendes Verständnis von Ethik ermöglicht, und Arendts Verknüpfung mit der konkreten Lebenswelt, durch die sie die Menschen stärker als Teil ihrer pluralen politisch-gesellschaftlichen Umgebung wahrnimmt. Auf dieser Grundlage soll das Dissertationsprojekt einen neuartigen Blickwinkel aus moraltheologischer Perspektive auf die Frage nach dem Bösen eröffnen.